Varna Palais

Autor: Bianca KILLMANN Posted in Raumdesign von Verner Panton

Varna Palais in Arhus in Daenemark. 1971 Gestaltete Verner Panton das Varna Palais.

Jahr: 1971

Verner Panton beschränkte sich niemals nur auf die Platzierung einzelner Objekte, sondern stellt sie immer in einen Kontext, bezog also den gesamten Raum bei seiner Gestaltung mit ein. Beste Beispiele: das Varna Palais in Arhus/Dänemark, in dem ein Restaurant untergebracht war. Gastraum, Gang, Gesellschaftssäle, Toiletten – alle Räume des klassischen Gebäudes erfuhren 1971 eine elementare Umgestaltung.

Geometrische Muster, gepaart mit Farben und Formen prägten das eindrucksvolle Interieur und setzten dem Palais von 1909 Pantons signifikanten Stempel auf. Mit Vorhängen und Teppich der Firma Mira-X aus der Dekor I-Kollektion, dem so genannten Mira-X-Set, gestaltete er den Gang. Dabei verkleidete er die kompletten Wände mit Vorhängen, auf denen das Kurvendesign gedruckt war. Boden und Decke wurden mit einem Teppich in der selben Optik versehen, was die Tiefe des Flures enorm steigerte. Von der Decke ragten farblich darauf abgestimmt Kugelleuchten tief in den hinunter; gerade so, dass sich auch hoch gewachsene Gäste bequem darunter bewegen konnten.

In den Toiletten waren Teile der Wände und Decke mit Ring Lamps versehen worden. Ebenfalls angebrachte Spiegelwände steigerten den Farbeffekt. Auch in den chromfarbenen Waschtischen spiegelte sich das Licht.

Eingestimmt auf psychedelische Effekte setzte Panton seiner Gestaltung durch das Ambiente des Restaurants zweifelsfrei die Krone auf. Farbige Schaumstoffkugeln, dazwischen Spiral SP1-Pendelleuchten violettfarbene Säulen, Teppiche und Vorhänge mit dem Dekor I in der Kreise-Variante, dazu chromfarbene Pantonova-Stühle von Fritz Hansen – die Verwendung von Farben und Formen war geradezu inflationär.

Im Gegensatz zu der hauptsächlich violetten Farbgebung des übrigen Restaurants, gestaltete Verner Panton die Rotonde rot. Zentrales Element im so genannten Roten Saal waren rote Schaumstoffkugeln, die von der Decke hingen. Durch ihre Anordnung schienen sie sich auf die in der Mitte des Raumes stehende Säule zuzubewegen. Die dazwischen platzierten Flowerpot-Leuchten waren ebenfalls kreisrund angeordnet. Darunter gruppierten sich rechteckige Kunststofftische, bestückt mit dem Panton Chair, ebenfalls in rot.

Pantons Leuchten und Möbel, die zur vollkommenen Entspannung von Körper und Geist geschaffen zu sein scheinen, leisteten in der Lounge ganze Arbeit. Unzählige Flowerpot-Leuchten bildeten zwei Spiralen. Die darunter platzierten kreisrunden Sitzecken schufen Separées. Trotz ihrer offenen Anordnung im Raum, garantierten sie Ruhe und Abgeschiedenheit. In einem anderen Bereich ließ man sich im Living Tower nieder. Bei einem Digestif betrachtete man das Lichtspiel einer Spiral SP3-Leuchte, Pantons Vorstellung von einem Kronleuchter, der einem Wasserfall voller Licht glich.

Das Kunstwerk, dass der Kult-Designer zwei Kilometer vor den Toren von Arhus schuf, erregte bis weit über die Grenzen Dänemarks Aufsehen. Das Varna Palais im Marselisborg Wald, seinerzeit (1909) im Rahmen einer landesweiten Industrie-, Handwerks- und Kulturausstellung erbaut, wurde nach der bulgarischen Stadt Varna benannt. 1971 veräußerte die Gemeinde das Restaurant an den Odd Fellow-Orden, der die Räumlichkeiten durch Panton renovieren ließ. Vor kurzem renovierte man den Palais erneut. Die schönsten Räumlichkeiten der Stadt mit Platz für bis zu 500 Personen, eingebettet in einen Park am Meer, sind geblieben – der Panton’sche Stil jedoch musste weichen.