Architektur & Wohnen – Ausgabe 06/09

Autor: Bianca KILLMANN Posted in Spezial

A&W, Architektur und Wohnen ist ein Design-Magazin für Einrichtung und Dekoration.

 

 

 

Eben fiel mir die aktuelle Ausgabe der ARCHITEKTUR & WOHNEN, kurz A&W, in die Hände. Beim Durchblättern denke ich: Wow, wie präsent Verner PANTON mit seinen Entwürfen – direkt oder indirekt – bis heute ist.

 

Lucky Relaxer

Die erst Anspielung auf sein Design ist bereits auf Seite 10 zu finden, und zwar in einer Anzeige. Dort wirbt die Firma Brühl & Sippold aus Bad Steben für ein Sitzmöbel mit Namen lucky, eine Neuheit aus 2009. Entworfen wurde es laut Annonce von Kati Meyer-Brühl. Tatsächlich erinnert er mich in Form und Funktion sehr stark an den Schaukelstuhl Relaxer 2. Letzteren entwarf PANTON 1974. Die deutsche Firma Rosenthal stellte das Sitzmöbel damals her.

 

Inseln der Behaglichkeit

Ein paar Seiten weiter geht es um “Inseln der Behaglichkeit”, nämlich Teppiche. Alle auf der ersten Doppelseite gezeigten Modelle haben eines gemeinsam: Sie bannen geometrische Formen auf ihren flauschigen Untergrund. Eigentlich genau das, was PANTON bereits seit Anfang der 60er Jahre umsetzte. Die im Heft gezeigten Teppiche dagegen stammen von Nelly Zavirov, Daniel Buren oder Ora-Ilto.

 

Designklassiker Drahtmöbel

Jeff Altman ist Finanzprofi und lebt in einer Villa auf Long Island, die man sich im Heft ansehen kann. Auf dem Weg ins Wohnzimmer fällt der Blick auf einen Drahtstuhl aus der Warren Platner Lounge Collection, die die Firma Knoll International 1966 produzierte. Drei Jahre später setzte Verner PANTON unter anderem Drahtmöbel von Knoll bei der Gestaltung im Spiegel Redaktionshaus in Hamburg ein. Noch heute sind sie dort in der unter Denkmalschutz gestellten Kantine zu bewundern.

 

Designland Dänemark

Bjarke Ingels ist Däne und gerade ziemlich angesagt, nicht nur in Dänemark. Im Bericht über ihn und seine Architektengruppe Big erfährt der Leser, dass diese durch spektakuläre Ideen Schluss macht mit tradierten Mustern. Übrigens genau wie Ingels Landsmann PANTON, ein halbes Jahrhundert zuvor.

 

Formlose Möbel

Und dann gibt’s da noch die Ausstellung Formlose Möbel, die offenbar gerade (11. November 2009 bis 14. Februar 2010) im Züricher Museum für Gestaltung gezeigt wird. In der Beschreibung heißt es: “Mit formlosen Möbeln verweigerten Designer Mitte der 1960er Jahre Konventionen im Bereich des Interieurs. Inspiriert von der Kunst experimentierten sie mit Material, um Alternativen zum Bestehenden zu schaffen. Ihre Möbel zwischen Design und Skulptur standen für ein neues Gesellschaftsbewusstsein und lassen sich als Verstoss gegen die “Gute Form” betrachten.” Schon wieder fühle ich mich an die Werke Verner PANTONs erinnert. Denn kaum ein Zweiter spielte so ausgiebig mit Formen im Sitzmöbelbereich. Bestes Beispiel: der Living Tower.

 

“Meine Träume sind rot”

Wenige Seiten vor Heftschluss stolpere ich über die Überschrift zu dem Interview mit Walter de ‘Silva. Als Chefdesigner verlieh er Marken wie Alfa Romeo, Audi und Seat gestalterischen Glanz. Seit 2007 hat er bei VolksWagen angeheuert und sagt, unter anderem: “Meine Träume sind rot.” Ob PANTONs Träume rot waren, kann wohl nur eine Person beantworten. Wir anderen aber können mit Sicherheit sagen: Seine Lieblingsfarbe war Rot.